Nachhaltigkeit im Arbeitsschutz – Weil uns die Helden von morgen wichtig sind!

Eine offene Hand mit Erde aus der ein Sprössling wächst.

Nachhaltigkeit im Arbeitsschutz

Nachhaltigkeit – ein viel gebrauchtes, oft überstrapaziertes Schlagwort. Was bedeutet nachhaltiges Handeln für Unternehmen? Was für den Arbeitsschutz? Diesen Fragen wollen wir in diesem Blogartikel nachgehen.

Worum geht es eigentlich?

Nachhaltiges Unternehmertum ist dann gegeben, wenn nicht mehr Ressourcen genutzt werden, als nachwachsen können. Aus den Ressourcenkreisläufen darf also für die Gegenwart nur so viel entnommen werden, dass für Zukunft kein Mangel entsteht. Das betrifft ökologische, aber auch soziale Aspekte. Unternehmen, die in diesen Bereichen eine Vorreiterrolle einnehmen, werden nicht nur ihrem gesellschaftlichen Auftrag gerecht, sondern heben sich auch von der Konkurrenz ab und gewinnen so einen Wettbewerbsvorteil.

Woher kommt der Begriff?

Nachhaltigkeit wurde als Begriff zuallererst in der Forstwirtschaft verwendet. Nachhaltige Forstwirtschaft entnimmt aus dem Wald nur so viel Holz, wie nachwachsen kann. Von der Forstwirtschaft ausgehend wird der Begriff des nachhaltigen Wirtschaftens inzwischen für Unternehmen aller Art, Kommunen, Forschung, Architektur und sogar Design verwendet. In vielen Firmen und Kommunen gibt es mittlerweile Nachhaltigkeitsmanager, deren vordringliche Aufgabe es ist, alle Handlungen der Organisation daraufhin zu überprüfen, ob sie so nachhaltig wie möglich ist oder eventuell verbessert werden kann.

Was macht ein Unternehmen nachhaltig?

Nachhaltiges Unternehmertum ist vielfältig: Es kann bedeuten, Rohstoffe und Dienstleistungen aus der Region zu beziehen. Es kann sich darin äußern, verstärkt auf erneuere Energien zu setzen und so energieeffizient wie möglich zu arbeiten. Wo sich CO2-Emissionen nicht verhindern lassen, werden sie ausgeglichen, beispielsweise durch Aufforstungs- oder andere Klimaschutzprogramme. Nachhaltiges Wirtschaften verzichtet weitgehend auf schwer recyclebare Stoffe wie Plastik und Rohstoffe mit schlechter Umweltbilanz wie Soja oder Palmöl.

Ein relativ neuer, aber nichtsdestotrotz äußerst wichtiger Bestandteil nachhaltiger Unternehmenspolitik ist sozial nachhaltiges Handeln. Der Grundgedanke ist derselbe wie dereinst in der Forstwirtschaft: Es darf nicht mehr Ressource entnommen werden, als sich regenerieren kann. In der Praxis bedeutet das, auf faire Lieferketten und sozial verträgliche Arbeitsbedingungen zu setzen.

Warum ist das für den Arbeitsschutz wichtig?

Nachhaltiges Unternehmertum und Arbeitsschutz haben auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun. Sieht man die Arbeitskraft der Menschen als endliche Ressource, wird der Zusammenhang aber schnell klar. Auch wenn es zynisch klingen mag: Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist es für Unternehmen überlebensnotwendig, die Arbeitskraft seiner Mitarbeiter zu erhalten.

Nachhaltiger Arbeitsschutz – das heißt vor allem, bestehende Regeln kritisch zu beurteilen und zu hinterfragen. Nur weil es eine Checkliste gibt, die seit zehn Jahren im Betrieb eingehalten wird, bedeutet das nicht, dass allein deshalb der entsprechende Arbeitsvorgang so sicher wie möglich ist. Vielleicht war die Checkliste vor zehn Jahren optimal. In der Zwischenzeit können sich die Rahmenbedingungen aber grundlegend geändert haben. Nachhaltiger Arbeitsschutz, das ist also vor allem ein wacher Blick für Gefahrenquellen. Oder anders formuliert: Jedes Sicherheitssystem muss regelmäßig auf Sinnhaftigkeit, Angemessenheit und Wirkung geprüft werden.

Mit Arbeitsschutz ist dabei selbstverständlich nicht nur die Vermeidung von Unfällen gemeint. Nachhaltiger Arbeitsschutz betrifft genauso – und vielleicht sogar in zunehmendem Maße – die psychische Gesundheit der Mitarbeiter. Er umfasst damit so substanzielle Bereiche wie sozialverträgliche Einkommen, Gesundheitsmanagement, Arbeitsschutzmanagement, Schulung und Ausbildung bzw. Training von Mitarbeitern und Führungspersonal, Mitarbeitergespräche und vieles mehr.

Auch wenn zu bedauern ist, dass viele Unternehmen erst in der Notlage des Fachkräftemangels auf diese Entwicklungen reagieren: Gelebter, nachhaltiger Arbeitsschutz wird damit zu so viel mehr als der Erhaltung menschlicher Ressourcen. Nachhaltiger Arbeitsschutz ist gelebtes Miteinander und soziale Verantwortung.

Nachhaltige Beschaffung von Material und Arbeitskleidung

Ob Material oder Arbeitskleidung: Wenn es um Bestellungen aus Übersee geht, spielt natürlich die schlechte Ökobilanz für den Versand eine Rolle für Unternehmen, die nachhaltig wirtschaften möchten. Doch auch vorsichtig kalkulierende Einkaufsleiter können bisweilen von einer anderen, regionaleren Lösung überzeugt werden. Hier spielen nicht nur die eingesparten Kosten für den Versand eine Rolle.

Die sparsamen Schwaben wissen es längst: „Wer billig kauft, kauft zweimal." Das viel zitierte Sprichwort enthält einen sehr wahren Kern. Nicht das Material, das billig aus Übersee bezogen werden kann, ist nachhaltig am günstigsten. Auch wenn die Rechnungsabteilung es gerne sieht, wenn die Kosten für die Materialbeschaffung auf den ersten Blick gesenkt werden konnten: Ob etwas wirklich günstiger ist, zeigt sich erst im Zusammenhang mit dem Zeitfaktor. Qualitätsware für den Arbeitsschutz mag auf den ersten Blick teurer in der Anschaffung sein, rechnet sich aber mit der Zeit, weil die Nutzungsdauer höher ist. Nachhaltiges Wirtschaften wird auf den ersten Blick teurer sein, auf der Langstrecke gewinnt es allemal, und zwar in vielerlei Hinsicht.

Die Beschaffung von nachhaltig verwendbaren und verwendeten Materialien betrifft auch Bereiche, die nicht gleich ins Auge stechen. Ein engagierter Mitarbeiter hat der Abteilung seine ausgediente Kaffeemaschine zur Verfügung gestellt? Löblich! Zunächst erscheint dies sogar als nachhaltig, weil die Kaffeemaschine im privaten Zuhause möglicherweise ausgedient hat und nun im Betrieb einen zweiten Frühling erleben darf. Der Arbeitsschutzbeauftragte sollte über das Lob hinaus aber unbedingt genau analysieren, ob der Einsatz der ausrangierten Kaffeemaschine wirklich sicher und tatsächlich nachhaltig ist! Was nützt dem Unternehmen die Einsparung, die bei der Anschaffung einer firmeneigenen Kaffeemaschine anfallen würde, wenn die alte Kaffeemaschine aus dem Privathaushalt aufgrund Altersschwäche und übermäßiger Inanspruchnahme einen Brand verursacht? Welchen Stromverbrauch verursacht das in die Jahre gekommene Gerät, wenn es über Nacht und am Wochenende auf Stand-by läuft – wäre ein modernes Gerät nicht auf längere Dauer günstiger? Vorgesetzte mögen mit den Augen rollen, wenn der Sicherheitsbeauftragte auf nicht nachhaltiges Handeln beim Einsatz ursprünglich privater Kaffeemaschinen hinweist; die örtlichen Feuerwehren können ein völlig anderes Lied von dieser angeblichen Nebensächlichkeit singen! Denken wir einmal kurz an mögliche Brand- und Personenschäden, an mögliche Umweltschäden durch Löschwasser und Rauchentwicklung, sind wir sehr schnell wieder beim Thema nachhaltiges Handeln.

Das Beispiel der Kaffeemaschine lässt sich leicht auf viele andere Arbeitsbereiche übertragen.

Nachhaltige PSA

Die persönliche Schutzausrüstung (PSA) schützt den Mitarbeiter vor berufsbedingten Gefahren. Im Erwerb der PSA sollten von Anfang an einige Grundregeln beachten werden, damit sie nicht mehrfach beschafft werden muss. Diese sind:

  • Die PSA muss für die Tätigkeit geeignet sein (richtige PSA).
  • Die PSA muss passen. (Einheitsgröße für alle führt evtl. zu Sicherheitsgefahren.)
  • Die PSA muss vom Anwender akzeptiert werden. (Schlechte Sicht oder stark verringerte Greifsicherheit führen zu Ablehnung.)
  • Die PSA muss selbst sicher sein. (Allergiker reagieren evtl. auf Allergene in Handschuhen oder Ausdünstungen von Lösemitteln.)
  • Die PSA muss hohe Qualität aufweisen. (Billigausrüstung weist bisweilen eine fehlerhafte Kennzeichnung auf und bietet damit falsche Sicherheit.)

Fazit

Ob Arbeitskleidung zum Schutz der Mitarbeiter, das vorgeblich profane Beispiel der privat zur Verfügung gestellten Kaffeemaschine oder die in jeglicher Hinsicht wichtige Aufgabe der Erhaltung menschlicher Arbeitskraft: Nachhaltiger Arbeitsschutz in den Unternehmen hat viele Facetten. Jenseits aller Schlagworten-Debatten ist es das oberste Ziel, den Planeten zu erhalten und den auf ihm lebenden Menschen das bestmögliche Leben zu sichern.

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