Forstwirtschaft

Forstwirtschaft im Wald: Eine Kettensäge schneidet einen Baumstamm klein. Sägespäne fliegen durch die Luft.

Arbeitssicherheit im Wald

Ob am Boden oder im Baum: Die Forstwirtschaft stellt besondere Herausforderungen an den Arbeitsschutz. Hier treffen Mensch, Natur und Maschine aufeinander. Nur in der Baubranche und im Bergbau geschehen noch mehr Unfälle als bei der Waldarbeit. 6.000 meldepflichtige Unfälle pro Jahr ereignen sich bei Wald- und Forstarbeiten. Jährlich etwa 30 Unfälle verlaufen sogar tödlich. Vor allem die Arbeit mit der Motorsäge ist äußerst gefahrenträchtig. Dabei wechseln die Arbeitsbedingungen in der Natur ständig; die Arbeit verlangt sowohl hohe Konzentration als auch viel körperlichen Einsatz.

Eine hochwertige und dem Arbeiter gut passende Schutzkleidung ist für die Waldarbeit daher absolut unverzichtbar. Vor jedem Einsatz sollte sie auf Funktionstüchtigkeit überprüft werden, damit sie optimale Sicherheit bieten kann.

Wir stellen alle Elemente der persönlichen Schutzausrüstung für Forstwirte vor.

Schutzhelm

Schutzhelme für die Arbeit im Wald sind aus Kunststoff gefertigt. Bei möglichst geringem Eigengewicht bieten sie ein Maximum an Stabilität und Sicherheit. Der Forstarbeiter-Helm schützt vor herabfallendem Geäst, vor beim Sägen absplitternden Holzstücken, vor dem Rückstoß der Motorsäge und vor Gehörschäden. Der Schutzhelm (Norm: EN 397) für den Wald sollte daher unbedingt neben einem Gehörschutz (Norm: EN 352-1 und EN 352-3) auch einen Gesichtsschutz (Norm: EN 1731:1998) aufweisen, um bei der Arbeit mit der Kettensäge Verletzungen durch umherfliegende Splitter zu vermeiden. Der Gesichtsschutz ist meist als Netzvisier, seltener auch als Klarsichtvisier ausgearbeitet. Schutzbrille im Helm und Nackenschutz sind optional. Ideal ist ein Helm mit Warnfarbe, damit der Arbeiter gut gesehen wird.

Schnittschutzhose

Zum Schutz vor Verletzungen ist kaum ein Ausrüstungsstück für den Forstarbeiter derart wichtig wie die Schnittschutzhose (Norm: EN 381-5), denn die häufigsten Verletzungen bei der Waldarbeit mit der Motorsäge treten an den Beinen auf. Eine Schnittschutzhose kann schlimme Verletzungen verhindern: In den Schnittschutzeinlagen sind extralange Kunststofffasern verarbeitet, die sich bei Kontakt sofort in der Kettensäge verfangen und sie innerhalb von Hundertstelsekunden stoppen. Je nach Ausführung befindet sich die Schnittschutzschicht an allen Stellen zwischen der inneren und der äußeren Hosenschicht oder nur an einigen besonders gefährdeten Stellen.

Es gibt Schnittschutzhosen speziell für den Sommer und speziell für den Winter, in dornenfesten oder auch besonders leichten Ausführungen. Die Schnitte reichen von Bundhosen über Arbeitshosen bis hin zu Latzhosen.

Schnittschutzjacke

Bei Motorsägearbeiten am Boden ist eine Jacke mit Schnittschutz eher ungebräuchlich. Zur Vermeidung von Verletzungen ist eine Forstarbeitsjacke mit Schnittschutzeinlagen zumindest bei Arbeiten mit Hubarbeitsbühnen sowie bei einer zweiten Person im Arbeitskorb dagegen unverzichtbar. Üblicherweise entspricht sie der Schnittschutzklasse 1 (20 m/s Kettengeschwindigkeit). Höhere Schnittschutzklassen würden die Beweglichkeit des Arbeiters zu sehr einschränken und sich daher eher negativ auf die Arbeitssicherheit auswirken.

Äußerlich unterscheidet sich eine Schnittschutzjacke kaum von normalen Forstjacken. Es gibt sie in verschiedenen Schnitten und Größen. Sie sollte eng genug anliegen, um sich nicht in der Kettensäge zu verfangen, und andererseits weit genug geschnitten sein, um die Bewegungsfreiheit nicht zu sehr einzuschränken. Mindestens an den Schultern sollte die Schnittschutzjacke in Signalfarben gehalten sein.

Sicherheitshandschuhe

Schutzhandschuhe für die Forstwirtschaft dienen vor allem dem Schnittschutz (Norm: EN 381-7). Damit der Forstarbeiter gut und sicher damit arbeiten kann, müssen sie unbedingt gut passen. Sind sie zu eng, empfindet der Arbeiter sie als unbequem und trägt sie eventuell nicht zuverlässig genug, da sie ihn bei der Arbeit behindern. Sind die Schutzhandschuhe dagegen zu groß, können sie rutschen – eine große Gefahr für Verletzungen! Bei den Schutzhandschuhen eine Einheitsgröße für alle Arbeiter zur Verfügung zu stellen ist daher keine gute Lösung.

Schnittschutzstiefel

Für den Schutz der Füße vor Schnittverletzungen sorgen spezielle Schnittschutzstiefel (Norm: EN ISO 17249). Ihre Schaftlänge sollte bei mindestens 19,5 Zentimetern liegen – mehr ist besser. Um auch in schwierigem Gelände und bei ungünstigen Bodenbedingungen guten Halt zu bieten, muss die Sohle grob und griffig sein. Eine Schutzkappe für die Zehen sorgt im vorderen Bereich sowohl für besonderen Schutz vor Schnitten als auch vor herabfallenden Ästen oder Holzstücken.

Was sorgt noch für Sicherheit?

Neben dem Tragen der persönlichen Schutzausrüstung gibt es noch einige weitere Verhaltensregeln, die die Sicherheit im Wald deutlich erhöhen:

  • Nie allein im Wald arbeiten!
  • Ausgeschlafen und fit an die Arbeit gehen – nur konzentriertes Arbeiten ist sicheres Arbeiten!
  • Auf körperliche Fitness achten!
  • Keine Hektik aufkommen lassen – Arbeiten auch unter Zeitdruck ruhig und mit Bedacht erledigen!
  • Ordnung halten – Stolperunfälle zählen zu den häufigsten Unfallarten in der Forstwirtschaft!
  • Bei widrigen Wetterbedingungen (starker Regen, Wind, Nebel, Schneefall) die Arbeit einstellen!

Geeignete Arbeiten für ältere Beschäftigte

Schwere Unfälle bei der Forstarbeit betreffen überproportional häufig ältere Beschäftigte ab 65 Jahren. Der Grund: Mit zunehmendem Alter lassen sowohl die körperliche Leistungsfähigkeit als auch Gehör und Sehstärke nach.

Zur Arbeitssicherheit im Wald zählt daher auch, dass ältere Forstarbeiter deshalb besser in sichereren Bereichen eingesetzt werden sollten, zum Beispiel zur Aufbereitung von Brennholz. Die überwiegende Mehrzahl der Unfälle ereignet sich bei der Holzernte: Hier geschehen etwa dreimal so viele Unfälle wie in allen anderen Arbeitsbereichen zusammen (Waldverjüngung, Waldschutz, Wartung und Reparatur, Wegebau, Waldpflege, Wegeunfälle und übrige).

Arbeitsschutz geht alle an

Häufig werden nicht alle Empfehlungen zum Arbeitsschutz umgesetzt. "Keine Zeit" oder "Etwas anderes war in dem Moment wichtiger" sind oft genannte Begründungen. Arbeitssicherheit ist aber gerade in einer so unfallträchtigen Branche wie der Forstwirtschaft keine Kür. Unfälle und Verletzungen zu vermeiden, ist eine Pflichtaufgabe aller Beschäftigten im Forstbetrieb.

Um die Unfallzahlen in der Forstwirtschaft zu reduzieren, sind alle Beteiligten auf allen Ebenen gefragt:

  • Den Führungskräften obliegt die Handlungspflicht: Sie schaffen die Grundlagen für einen erfolgreichen Arbeitsschutz.
  • Wichtige Anstöße kommen von den Mitwirkenden im Arbeitsschutz wie den Fachkräften für Arbeitssicherheit, den Sicherheitsbeauftragten, den Betriebsärzten und den Personalvertretungen.
  • An den betroffenen Forstwirtinnen und Forstwirten schließlich liegt es, die getroffenen Maßnahmen und Vorgaben zum Arbeitsschutz konsequent umzusetzen.

Arbeitsschutz ist eine kontinuierliche Aufgabe. Auch Beinahe-Unfälle und Sachschäden sollten nicht "unter den Teppich gekehrt" werden, sondern als wertvolle Hinweise zur fortwährenden Verbesserung des Arbeitsschutzes in der Forstwirtschaft genutzt werden. Oft gehen einem Unfall ähnliche Situationen voraus, die beinahe schon zu solch einem Unfall geführt hätten.

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