Gesunde Haut – eine Aufgabe für den Arbeitsschutz
Gesunde Haut – eine Aufgabe für den Arbeitsschutz
"Das ging mir richtig unter die Haut", "Du bist eine ehrliche Haut", "Ich könnte aus der Haut fahren" … Diese und viele weitere Redensarten rund um unser wichtigstes Organ zeigen, wie wichtig uns die Haut ist – oder zumindest sein sollte. Denn viele Menschen machen sich um ihre Hautgesundheit zu wenig Gedanken. Dabei ist intakte Haut ein wichtiger Schutz vor dem Eindringen unerwünschter Mikroorganismen oder Substanzen. Gesunde Haut gibt Sicherheit vor physikalischen Einwirkungen wie Stoß, Abrieb und UV-Strahlung, vor chemischen Einwirkungen wie Laugen und Säuren sowie vor biologischen Einwirkungen wie Bakterien, Pilzen und Viren.
Gefährdungen der Haut im betrieblichen Alltag
Während im Privatbereich der Sonnenbrand samt seinen schädlichen Folgen die Hauptgefahrenquelle für gesunde Haut ist, betrifft in Betrieben das Thema Hautgesundheit vor allem die Hände. Da die Hände an vielen Arbeitsplätzen das wichtigste "Werkzeug" sind, unterliegen sie besonderen Belastungen. Ist ihre Funktion, etwa durch eine Hauterkrankung, eingeschränkt, sind die Konsequenzen entsprechend schwerwiegend und können Arbeitsunfähigkeit verursachen. Dies bedeutet Leidensdruck für den Beschäftigten und Kosten für den Arbeitgeber. Vor allem im Lebensmittelbereich sind Arbeiten mit geschädigter Haut nicht mehr möglich.
Die Haut an den Händen wird bei der Arbeit vor allem durch folgende Umstände gefährdet:
- Ständiger Kontakt mit Feuchtigkeit
- Häufige und/oder starke Verschmutzungen
- Umgang mit allergenen Stoffen
- Umgang mit scharfen Stoffen, beispielsweise Reinigungsmitteln
- Physische Extremzustände wie Hitze oder Kälte
- UV-Strahlung
Das mit Abstand größte Gefährdungspotenzial bergen Tätigkeiten, in denen die Hände besonders häufig oder besonders lange Feuchtigkeit ausgesetzt sind. Das sind Küchentätigkeiten wie Spülen, Waschen und Putzen von Salat oder Gemüse, aber auch Schlachtarbeiten wie beispielsweise das Befüllen von Würsten und allgemein Tätigkeiten, bei denen häufig die Hände gewaschen werden müssen.
Schutzhandschuhe bieten nur bedingt Sicherheit, denn gerade bei flüssigkeitsdichten Handschuhen quillt die Haut aufgrund des nicht abtransportierten Schweißes auf. Die Belastung der Haut durch das Aufquellen in den Handschuhen ist allerdings geringer als die Gefährdung durch den direkten Kontakt mit Wasser. Deshalb ist in Zweifelsfällen das Tragen von Handschuhen vorzuziehen.
Während ein Mitarbeiter aufgrund seiner Tätigkeit ein Ekzem entwickelt, kann ein Kollege mit gleicher Tätigkeit dennoch eine gesunde Haut bewahren: Individuelle Veranlagung spielt bei der Entwicklung von Hauterkrankungen eine große Rolle.
Alarmsignale
Erste Anzeichen treten meist an den Innenseiten der Finger auf, da hier die Haut besonders dünn und dementsprechend empfindlich ist. Hautschädigungen können sich durch Rötungen, Trockenheit und Jucken zeigen.
Die angegriffene Haut kann sich nicht mehr regenerieren und ist anfälliger, auf verschiedenste Stoffe Allergien zu entwickeln. Dann führt selbst der geringste Kontakt mit den allergieauslösenden Stoffen zu starken Reaktionen der Haut.
Kleinste Risse und Mikroverletzungen führen dazu, dass die Haut bei der Anwendung von Desinfektionsmitteln brennt. Dies kann dazu führen, dass der Beschäftigte nicht mehr gleichermaßen bereit ist, die Vorschriften zur Handhygiene einzuhalten.
Ob die Hauterkrankung maßgeblich mit der beruflichen Tätigkeit zu tun hat, kann abgeleitet werden, wenn die Hautprobleme sich nach Wochenenden oder Urlaubszeiten bessern und bei Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit verschlechtern.
Mögliche Folgen
Hauterkrankungen zählen tatsächlich zu den häufigsten beruflich verursachten Krankheiten. Meist sind die Hände betroffen. Aus geröteten, trockenen, juckenden oder schuppenden Stellen können Bläschen, Risse und nässende Wunden entstehen. Unterschieden werden das akut-toxische Kontaktekzem, das Abnutzungsekzem und das allergische Kontaktekzem. Dabei sind die oberen Hautschichten entzündet. All diese Ekzemformen können chronisch verlaufen und im Extremfall zur Berufsunfähigkeit führen.
Was tun?
Konsequente Hautschutzmaßnahmen können solcherlei Schäden verhindern. Neben Hautschutz spielen Hautreinigung und -pflege sowie, wo nötig, das Tragen von Handschuhen eine wichtige Rolle.
Die Gefährdungsbeurteilung des Arbeitsplatzes gibt den Handlungsbedarf vor. Der Betriebsarzt definiert in Zusammenarbeit mit der Fachkraft für Arbeitssicherheit, welche Schutz- und Pflegemaßnahmen erforderlich sind. Liegt eine entsprechende Gefährdungsbeurteilung vor, muss der Arbeitgeber seinen Beschäftigten geeignete Mittel zu Reinigung, Pflege und Schutz der Hände zur Verfügung stellen. Die Beschäftigten müssen darüber hinaus regelmäßig zum Thema Hautschutz unterwiesen werden.
Hautbelastungen aus dem Privatbereich sollten nicht außer Acht gelassen werden, da sie die Belastungen aus dem betrieblichen Bereich verschlimmern können. Unterweisungen zur Hautpflege sollten daher unbedingt den Privatbereich mit umfassen.
Konkrete Umsetzung
Am besten werden die erforderlichen Schutzmaßnahmen in einem Hautschutzplan dokumentiert. Er stellt Angaben zu Tätigkeiten und Arbeitsstoffen den jeweiligen Maßnahmen gegenüber. Aus dem Plan geht klar hervor, welche Produkte wann und wie verwendet werden müssen, ob und welche Handschuhe getragen werden müssen etc. Der Hautschutzplan ist an entsprechenden Arbeitsplätzen eine wichtige Aufgabe für den Arbeitsschutz. Er sollte gut sichtbar ausgehängt und in Unterweisungen erklärt werden.
Hautreinigung
Auch wenn es banal klingen mag: Bei richtiger Reinigung fängt die Pflege der Haut schon an. Selbst eine handelsübliche Seife im Privathaushalt belastet die Haut, da sie sie entfettet und den natürlichen Schutzmantel stört. Reinigungsprodukte im Betrieb sollten die Haut nicht mehr strapazieren, als für die Reinigung unbedingt erforderlich ist. Je schonender das Reinigungsmittel zur Haut ist, umso besser.
Die Beschäftigten sollten darüber aufgeklärt werden, dass sie ihre Hände im betrieblichen Zusammenhang so oft wie nötig, aber so selten wie möglich reinigen sollten. Sind starke Verschmutzungen zu erwarten, sollten die Beschäftigten Handschuhe tragen.
Hautpflege
Eine rückfettende Pflege hilft, den Schutzmantel nach der Reinigung wiederherzustellen. Ideal ist eine Pflege, die auf den jeweiligen Hauttyp abgestimmt ist. Am besten kann Hautpflege über Nacht wirken.
Schutzhandschuhe
Es gibt sehr viele verschiedene Arten von Schutzhandschuhen. Der Arbeitgeber sollte Schutzhandschuhe zur Verfügung stellen, die optimal für den jeweiligen Tätigkeitsbereich geeignet sind. Passform und Tragekomfort sind weitere wichtige Aspekte bei der Auswahl der Schutzhandschuhe. Sie erhöhen nicht nur die Arbeitssicherheit, sondern auch die Akzeptanz seitens der Beschäftigten.
Bei vielen Tätigkeiten sind Schutzhandschuhe die einzige Möglichkeit, die Haut an den Händen effektiv zu schützen. Der Nachteil: In vielen Handschuhen schwitzen die Hände und der Schweiß kann nicht nach außen abgeführt werden. Dies führt zu einem Aufquellen der Haut, was sie durchlässiger für Infektionen, Schadstoffe und Allergene macht.
Wo möglich, können evtl. dünne Baumwollhandschuhe helfen, die unter den Schutzhandschuhen getragen werden. Die Beschäftigten sollten darüber informiert sein, dass sie ihre Schutzhandschuhe so lange wie nötig, aber so kurz wie möglich tragen sollten. Lässt sich längeres Tragen von Schutzhandschuhen nicht vermeiden, können spezielle Pflegeprodukte helfen, die das Aufquellen der Haut reduzieren.